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Zwei Wochen nach Indien: Warum im Flixbus nicht gekotzt werden darf

Gepostet am Dez 8, 2017 von in Allgemein, Yoga | Keine Kommentare

Die erste Butterbreze hat mich geerdet. So kross und doch so weich – so schmeckt Heimat. Eine Wurschtsemmel später und ich bin wieder komplett zu Hause angekommen – dick eingepackt in Wollsocken, Jeans und Strickpulli. Es ist verdammt kalt. Ich denke zurück an Strand, Meeresrauschen, Smoothies und Kuhfladen. Schön war’s. Aber Deutschland hat mich wieder – voll und ganz seit genau zwei Wochen. Seither ist eine Menge passiert.

War ziemlich viel los die letzten Tage

Ich bin nicht nur aus dem Allgäu nach Berlin gezogen, sondern hab da gleich einen neuen Job begonnen  und versuche nebenbei, die Berliner Yogaszene zu erkunden. Erstmal muss ich tief ein- und ausatmen. ——– — ——- So.  War ziemlich viel los die letzten Tage. Als ich aus dem Flieger am Münchener Flughafen stieg und in besagte Butterbreze biss, wusste ich zwar schon, dass ich mich auf schnellstem Weg wieder eindeutschen muss, aber es dann tatsächlich zu tun, ist nochmal ’ne andere Sache. Zu Hause wartete der normale Wahnsinn: Nichten und Neffen, die keinen Lautstärkeregler haben, Erwachsene, die irgendetwas wollen und sowieso denken, dass vier Wochen Indien Entspannung genug waren, und die Vorweihnachtszeit mit dem Vorschlaghammer. Ich schaue ins wohlige Wohnzimmer, trete auf einen Legostein, rieche Kaffee und genieße Mamas Kuchen. Jep, irgendwie habe ich das vermisst.

Kisten packen, Abendessen und ein bisschen Liebe

Nicht vermisst habe ich hingegen den ganzen Erwachsenenkram. Die Steuererklärung sollte ich noch schnell machen, ehe mein Umzug nach Berlin ansteht. Ach ja, und da wären ja noch die gefühlt 6374927 Kartons, die bepackt werden wollen. Erstmal rolle ich die Yogamatte aus. 20 Minuten – dann ruft Muddi, dass das Abendessen fertig wäre. Ich seufze, rolle die Yogamatte ein und stelle sie neben die Umzugskartons. Dann umarme ich meine Mama.

Warum man im Flixbus nicht kotzen darf

Am nächsten Tag geht’s nach Berlin – im Flixbus mit meinem Leben auf dem Sitz neben mir und in zwei Koffern und zwei Rucksäcken unten verstaut. Der Busfahrer ist offensichtlich mit dem falschen Bein aufgestanden und dann in die Witzekiste gefallen. Jedenfalls fordert er eine schüchterne Dame, die vermutlich diese Busreise zu ihrem 70. Geburtstag geschenkt bekommen hat, auf, sich nicht hinter ihn zu setzen – er möchte nicht, dass ihm „die Leute in den Nacken kotzen – alles schon erlebt“, sagt er und begrüßt alle Mitreisenden, indem er erklärt, welche Ausstattung die Bustoilette hat. Mein neues Leben startet also mit Kotze, Kot und Urin. Hurra.

Wein und ein gebrochenes Bein – und dann nochmal mehr Wein

Berlin hingegen ist nett zu mir. Ich übernachte bei Freunden, gehe Arbeiten, ziehe in meine WG ein, gehe arbeiten, trinke Norma-Wein und esse Pho. Und eigentlich hätte irgendwo dazwischen mein Krempel ankommen sollen – doch mein Umzugshelfer bricht sich am Tag der Abfahrt das Bein. Und so lebe ich aus besagten zwei Koffern und zwei Rucksäcken. Reicht.

Wo ist der Schweiß wenn man ihn braucht?

Nur meine Yogamatte lehnt noch zu Hause an den Umzugskartons. Macht nix – wollte mir eh ’ne neue kaufen. Bisher hatte ich mal eine von Lidl, mal eine aus Indien, mal eine von Aldi. Und immer war ich glücklich damit. Doch jetzt heißt es: neues Kapitel – neue Matte. Also pilgere ich gleich an Tag 2 in Berlin zum Lululemon-Laden (für alle Nicht-Yogis: Ziemlich gute Sportmarke mit viel zu teuren Hosen, Shirts und Yogamatten). Der Laden: Zu. Tag 3. Zu. An Tag 7 erklärt mir der Verkäufer, dass alle Mitarbeiter krank waren. Und so halte ich nun eben verspätet meinen Heiligen Gral in Händen. Gute zweieinhalb Kilo schwer, fünf Millimeter dick und mein neuer bester Freund auf dem knarzigen Dielenboden meines Zimmers. Wir haben am Abend auch gleich ein Date. Das dauert aber nur 20 Minuten. Weil’s irgendwie nicht läuft. Ich dachte, ich komme aus Indien zurück, bin stark wie der Türsteher am Berghain und biegsam wie die Lichterkette an meiner kahlen Wand. Aber mein Kopf hängt irgendwie hinterher. Stehe ich auf, drückt er die Schlummertaste. Gehe ich zur Arbeit, macht er sich gerade erst ’nen Kaffee. Komme ich nach Hause, sitzt er noch bei der Arbeit. Läuft nicht bei mir – jetzt wünschte ich mir den Schweiß.

Depri- statt Massephase

Was tun also? Warten? Ne. Geht ja nicht. Also packe ich meine Sachen und gehe zum nächsten Yogastudio. Ich merke schnell, dass die Uhren in Berlin anders ticken. Nix Rocket Yoga, nix Power Vinyasa, nix Schweiß. Ich wollte mich doch verausgaben. Stattdessen muss ich mich meinem Kopf stellen und mal runter kommen. Unter Anleitung klappt das ja, aber zu Hause eben nicht. Die Instagram-Community rät mir, abzuwarten. Gefühlt jeder hatte diese Phase schon. Okay, okay. Phase, Phase. Dann aber bitte die Massephase!

Das Allgäu ist grün und hat vier Kerzen

Ich warte also. Teste das nächste Yogastudio und erhalte zu Hause ein Paket. Darauf steht mein Freund geschrieben, drin steckt ein Adventskranz. Made bei Mami. Ich lächle selig über das kleine, grüne Stückchen Allgäu, öffne mir ’ne Mate und proste meiner Yogamatte zu. Heute ist mein Yoga eben Nichts-Tun.

 

 

 

 

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