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Bowspring – oder: Twerkende Affen auf Ritalin

Gepostet am Okt 21, 2018 von in Allgemein | 2 Kommentare

Bowspring / Crouching Cat / wampediboo

Ich fühle mich wie ein Affe. Viel mehr ein Gorilla. Ein Gorilla auf Ritalin. Ich plustere meine Brust auf, beuge die Knie und strecke den Po weit nach hinten. Unweigerlich muss ich an laute Paarungsrufe denken, an auf die Brust klopfende Affenfäuste, an irre aussehende Tiere, auf der Suche nach ihrem Weibchen. Das müssen die Momente sein, an denen Yogaverweigerer denken: Die spinnen doch.

Mein innerer Affe chillt an diesem Donnerstagabend, er ist irgendwas zwischen relaxed und doch neugierig. Wie in Slow-Motion laufen die nächsten Bewegungen ab, auch mein Gehirn verarbeitet in gähnend langsamer Geschwindigkeit, was da gerade vor sich geht. Kurz gesagt: Ich bin in einer Bowspring-Klasse gelandet.

Der Yogastil orientiert sich an Bewegungsabläufen von Tieren oder Naturvölkern, im Fokus steht jedoch die natürliche Form der menschlichen Wirbelsäule, die leichte Vorwärtskrümmung im unteren Rücken und im Nacken. Entwickelt wurde Bowspring (Bogenfeder) erst 2013 von Desi Springer und John Friend in Denver. Und mehr und mehr findet es seinen Weg nach Europa. Im Bowspring löst die duckende Katze („Crouching cat“) den Herabschauenden Hund ab, die Berghaltung (Tadasana) wird zur Erdhaltung, der Baum schrumpft zum Bonsai, der Adler verwandelt sich in einen Phoenix. Und man darf – nein man soll: Squadden. Sowieso schwingen hier nicht nur tierische Vibes sondern auch Bootys. Denn twerken ist erlaubt. Geht auch gar nicht anders, da es beim Bowspring Asanas nicht statisch sondern in ständiger Bewegung ausgeführt werden.

Hineingestolpert ins Neuland

Bewusst ausgesucht habe ich mir die Stunde nicht – ich bin jedoch wahnsinnig froh hineingestolpert zu sein. Jedenfalls war ich mal wieder viel zu spät dran mit meiner Entscheidung, dieses Studio bei mir ums Eck auszuprobieren. Leggins an, rauf aufs Rad und rein ins Ungewisse. Und das bedeutete für mich an diesem Tag eben Bowspring. Für jemanden, der es gerne präzise in den Asanas hat, gar nicht so einfach. Zumindest ist es eine gewaltige Umstellung. Mantraartig versuchen Vinyasa- oder Hatha-Yogis ihren Schülern beizubringen, das Kreuzbein nach unten und innen zu schieben, um die Wirbelsäule zu verlängern, das Hohlkreuz etwas zu glätten. Beim Bowspring ist genau das Gegenteil der Fall.

Mein Fazit: einfach mal rumtwerken

Bowspring / Crouching Cat / wampediboo

Bowspring – was in den meisten Yogastilen der herabschauende Hund ist, ist im Bowspring die duckende Katze. In etwa so sieht die Crouching Cat aus.

Nach den eineinhalb Stunden Neuland, greife ich entschlossen zu meiner Teetasse. Ich komme wieder – weil’s Spaß macht. Aufgefallen ist mir dabei, dass auch meine Praxis ganz unbewusst (witzig, dass als Yogi zu sagen) viele Bowspring-Elemente enthält. Das mag am natürlichen Bewegungsdrang liegen, der in uns allen steckt. Wer sich beispielsweise im Herabschauenden Hund einfach mal frei Schnauze hin und her bewegt, kommt unweigerlich irgendwie in der duckenden Katze an. Die Bowspring-Stunde hat mir nicht nur einen neuen Stil, sondern mich selbst meiner eigenen Praxis näher gebracht. Auch wenn es vermessen ist, nach nur einer einzigen Stunde bereits ein Fazit zu ziehen, würde ich für mich sagen, dass mein Zuhause zwar nach wie vor im Vinyasa liegt. Aber ein bisschen Ausgehen, Party machen und rumtwerken?! Auf jeden Fall.

2 Kommentare

  1. Aerialyoga, boxspring….. neue Yogastile? Hauptsache es macht Spaß!

    • Ja. Und jeder kann herausfinden, was er gern mag! 🙂

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