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Die erste Yoga-Stunde – Was zur Hölle mache ich hier?

Gepostet am Jan 30, 2017 von in Yoga | 2 Kommentare

Da waren dieses “Ommmm” und dieses “Shanti” und meine innere Grinsekatze nur so: “Dein Ernst?!” Ok, diese indische Musik, die lasse ich noch durchgehen – aber der Rest?! Wache ich gleich auf und liege als Opfergabe für irgendeinen Yoga-Gott auf einem Altar, umgeben von Feuer und Menschen, die rhythmisch singen?! Ich versuche, das zu machen, was Frau Yogi in der ersten Yoga-Stunde meines Lebens sagt: die Gedanken ziehen lassen. Aber das ist verdammt schwer mit diesem Tagtraum im Kopf. Ich weiß, da liegen noch zehn Frauen und drei Männer regungslos neben mir und machen offenbar das, was die Yoga-Lehrerin verlangt: entspannen. Nur bei mir kommt das noch so gar nicht an. Dennoch habe ich mich entschieden: Ich will Yoga machen. Warum? Aus Neugierde.

Instagram und seine Schlangenfrauen

Anfangs war ich irgendwie sehr skeptisch, die innere Grinsekatze hat losgeprustet, als meine erste Yoga-Stunde begann. Und dann waren da noch diese routinierten Hobbyyogis um mich herum, die blind den Raum betreten könnten und trotzdem die Yogamatten im Regal fänden. Ich hab einfach so getan, als wüsste ich, was auf mich zu kommt – dabei war mir das alles irgendwie doch nicht so geheuer. Ich kam mir beim Yoga plötzlich so klein und unroutiniert vor, wie bei einer Ampelschaltung auf Tokyos berühmter Shibuya-Kreuzung zur Rush-Hour.
Mir kam plötzlich wieder in den Sinn, dass ich das alles noch nie gemacht habe.
Okay, okay, ich habe diese tollen Instagram-Fotos von irgendwelchen – offenbar zuvor von chinesischen Turntrainern zurechtgebogenen – Schlangenfrauen gesehen und fand das toll. Okay, und ich habe tatsächlich am Tag vor dieser ersten Yoga-Stunde gegoogelt, was eigentlich dieser Sonnengruß ist.
Auf dem Teppich zu Hause ließ sich das dann auch ganz gut testen. Immerhin konnte ich dann auf die Frage im Studio “Hast du denn schon mal Yoga gemacht?” einigermaßen lässig antworten: “Jep!”

Behält man da eigentlich die Socken an?

Ich erinnere mich an die Schlangenfrauen und entscheide mich, die Socken nach den zwei Minuten “Om” und nasalen Singens für den Sonnengruss auszuziehen. (Nächstes Mal wird ordentliche Pediküre vorher gemacht.)
Klappt eigentlich ganz gut. Nur eine Anweisung kann ich nie ganz befolgen: Nacken entspannen. Schließlich muss ich rechts rüber schauen, wie das, was sich da Hund nennt, aussehen sollte. Sonnengruss: Check. Nicht umgefallen: Check.

Schublade auf, Yoga rein

So richtig hatte ich Yoga eigentlich nicht auf dem Schirm. Für mich war das immer eine Art Gebetshaltung einer Religion, die nicht die meine ist. Abgehakt und in der Schublade vergessen. Aufgemacht habe ich die nur kurz, um mal reinzuspitzeln. Heißt: Ich habe mal in der Buchhandlung in diesen Yoga-Büchern geblättert. Zudem hat mir meine Schwiegermama in spe erzählt, sie sei beim Yoga gewesen. Und dann wären da noch Instagram und dessen hübsche Bildchen. Die Schublade richtig aufgemacht hat erst eine Freundin in Ulm. Die wollte auch “mal probieren” und mir davon erzählte, dass es doch mal ganz nett wäre, ein Studio zu besuchen.  Und da standen wir dann plötzlich beim Probetraining.

Beine breit für Brezelfrauen

Die weiteren Übungen der Stunde laufen ganz gut. Und dann kommt diese fiese Schaut-ganz-easy-aus-Übung für Brezelfrauen: Beine im Sitzen weit nach rechts und links strecken und dann lässig vornüber beugen – gegebenenfalls den Kopf zwischen den beiden ablegen. Ich so: Hä?! Meine Beine bekomme ich höchstens zwei Meter weit auseinander. An vornüberbeugen ist nicht zu denken. Habe eher Mühe, mich zu halten und nicht nach hinten umzukippen. Dann zum rechten Bein strecken. Ich so: Geht ja easy. Frau Yogi: Hüfte schön unten behalten. Gesagt, gedrückt – denn schon biegt mich diese Schlangenfrau zurecht.
Alles ernüchternd. Ich merke plötzlich doch, dass Yoga aus mehr besteht, als aus relaxen und nachmachen, was der Lehrer macht. Es geht vor allem um eines: Geduld. Okay, und Ausdauer. Und Konzentration.
Aber irgendwie sind es dann eben doch so etwas wie Erfolgsmomente, die mich weiter machen lassen – denn bei der nächsten Übung bin ich von mir selbst überrascht: Läuft bei mir. Auch wenn mein Spiegelbild in der Baum-Position eher wie ein Ästchen in einer windigen Herbstnacht aussieht – irgendwie fühlt sich das alles gut an.

2 Kommentare

  1. Ästhetische Bilder!
    Ein schöner Text, lässt mich an meine erste Yogastunde erinnern. Nur habe ich da meine Socken anbehalten….

    • Danke, Ruth. Das ist schön zu hören. Zu den Socken: Hab mittlerweile rausgefunden, dass es ganz gute Yoga-Socken gibt 😉

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