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Interviewoo mit wampediboo: Yogalehrerin und Sportmodel Sinah Diepold

Gepostet am Jun 17, 2018 von in Allgemein | Keine Kommentare

Sinah Diepold. Foto: Susanne Schramke

„Eigentlich wollte ich nur als durchtrainierte Brezn’ wieder kommen.“
Wenn man so will, beginnt Sinah Diepolds Yogakarriere mit genau diesem Satz. Und vermutlich hätte sie sich damals nicht erträumen können, dass sie heute – nur drei Jahre später – nicht nur Covermodel der Zeitschrift YogaJournal, Model für Sportscheck oder eine der Botschafterinnen der Yogamarke Lululemon in München ist und ihr eigenes Yogabuch veröffentlicht hat, sondern auch kurz davor steht, ein Studio für Yoga, Barre und functional Training in der bayerischen Hauptstadt zu eröffnen. Ganz zu schweigen von der durchtrainierten Brezel, zu der sie es längst geschafft hat. Im Interviewoo mit wampediboo erzählt Sinah nicht nur, warum sie trotz Bandscheibenvorfalls mit 29 Jahren super happy ist, sondern spricht über ihre ganz persönliche Yoga-Lovestory, die mit einem gebrochenen Herzen und einem Motorradunfall auf Bali begann.

Vermutlich fragen dich die Leute zurzeit oft, wie es dir geht, oder?
Sinah: Ja. Und mir geht’s sehr gut.

Das klingt sehr positiv. Andere würden in deiner Situation viel klagen – schließlich bist du 29 und vor einigen Wochen wurde ein Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule diagnostiziert.
Sinah: Naja, mein Chiropraktiker hat gesagt: Das hättest du viel früher bekommen, wenn du nicht so sportlich wärst.

Urdhva Danurasana. Foto: Susanne Schramke

Bandscheibenvorfall – da zählen bestimmt viele Leute eins und eins zusammen und meinen, die Ursache zu kennen: Yoga.
Sinah: Eher bemitleiden mich die Leute und sagen: „Oh mein Gott, du Arme. Woher kommt das. War das Yoga?“ Aber man kann nicht sagen: Das war’s. Ich bin ja nicht auf die Nase gefallen und hab sie mir gebrochen. Es ist halt eher Verschleiß und zu wenig Abwechslung. Ich komme aus dem Tanz und unterrichte seit 15 Jahren. Und immer schon viel Training mit dem eigenen Körpergewicht. Da zählt Yoga ja auch dazu – viel schieben, nie ziehen. Das ist sehr einseitig auf Dauer – vor allem wenn man eine sehr hohe Belastung hat. Da hätte ich früher eingreifen müssen.

Und was machst du jetzt als Ausgleich?
Sinah: Mein derzeitiger Ausgleich ist Meditation und Krankengymnastik. Wenn ich wieder ganz fit bin, werde ich mich regelmäßig dem Functional Training widmen. Mein Freund ist da der absolute Pro und das werde ich nutzen: Kettlebells schwingen, Klimmzüge und mehr mit hohen Gewichen arbeiten für den idealen Ausgleich.

Wie unterscheidet sich das Körperbewusstsein im Tanz von dem im Yoga?
Sinah: Tänzer sehen sich als Künstler und der Körper ist das Werkzeug, auf das man Acht geben muss. Der Körper hat gut auszusehen, zu funktionieren. Künstler haben da oft so eine leicht selbstzerstörerische Ader. Für die Show mache ich eben nochmal das Bein hoch, obwohl ich ein Muskelproblem hab. Es ist eine ganz andere Art, den Körper gesund zu halten als beispielsweise im Yoga. Da spürt man mehr und findet Ecken im Körper, bei denen man merkt: Hey, da habe ich nie etwas getan dafür. Es ist ein sehr positives Umfeld für den Körper. Aber es gibt da sicherlich auch andere Beispiele…

…welche?
Sinah: Naja, es gibt andere Formen des Yoga, in denen diese Achtsamkeit mit dem Körper meiner Meinung nach nicht so gelebt wird. Im Ashtanga beispielsweise bewegt man sich in Haltungen hinein, die nicht sehr gesund sind. Vor allem nicht für die, die das Zuhause nachmachen und ihren Körper und dessen Einschränkungen nicht so gut kennen. Ich habe sowieso ein ganz großes Problem damit, wenn es – auch im Sivananda-Yoga – heißt, du musst das und das machen. Und wenn du das machst, bist du gesund. So sehe ich das einfach nicht. Vor allem ist der westliche Körper anders, als der, für den Ashtanga und die vielen Hüftöffnungen in der ersten Serie gemacht wurden. Das wurde damals für zwölfjährige Buben gemacht. Ich zum Beispiel bin ein ziemlicher Hüftidiot. Ich kann einfach nicht so intensiv da rein gehen, da meine Knochen ganz einfach im Weg sind. Das hat nichts mit fehlender Disziplin zu tun, sondern da geht es darum, dass du anatomisch dafür nicht gemacht bist. Das ist wie wenn ich mich hinsetze und versuche, meinem Körper beizubringen, dass er sich blonde Haare wachsen lassen soll, obwohl ich braune Haare hab.

Parivritta Janu Sirsasana. (Foto: Susanne Schramke)

Wie würdet du deine Art, Yoga zu machen, beschreiben?
Sinah:
Auf jeden Fall Vinyasa. Das ist natürlich auch die tänzerische, fließende, bewegte Art. Das ist das, was uns meiner Meinung nach am Leichtesten fällt, weil wir Wesen der Bewegung sind. Ich bin aber auch ein großer Fan von Genauigkeit, wie im Hatha. Ich finde Ashtanga ja auch ganz toll, es hat tolle Aspekte, aber man muss halt sehr vorsichtig sein, oder als Lehrer – wie Richard Freeman – Optionen anbieten und sehen, dass nicht jeder Körper dafür gemacht ist. Ich mag’s locker, ich mag’s lustig, ich nutze gute Musik. Manchmal läuft 2Pac und dann läuft Ludovico Einaudi für die gute Stimmung. Es soll Spaß machen. Mein Yoga ist sehr physisch, gerne auch mal mit schwierigen Asanas. Damit Leute auch einmal aus sich raus gehen. Ich sage: Probier doch mal den Handstand. Who cares, wie weit du kommst, ob du überhaupt beide Beine vom Boden bekommst. Wo fängt schon der Handstand an und wo hört er auf? Ist ja sowieso nur Mittel zum Zweck. Einfach mal schauen, was passiert, wenn du was probierst. Und immer Optionen bieten. Du musst nichts, du darfst alles.

Sinah und ich.

Sinah und ich.

Wann kam diese Erkenntnis?
Sinah: In meinem Teacher Training. Unsere Lehrerin, Randy, ist so tief verbunden mit allem. Sie redet so tief spirituell, dass du die Hälfte davon erstmal gar nicht verstehst, aber ihr trotzdem folgst. Sie ist so ein Wirbelwind, ein menschenliebender, lächelnder Wundermensch. Sie ist eine, die mich sehr beeindruckt.

Wo hast du dein Teacher Training gemacht?
Sinah: Ich war in Canggu, weil ich ans Meer wollte. Ubud wäre mir too much gewesen.

Warum?
Sinah: Ubud gilt ja als spirituelles Zentrum. Damals hab’ ich noch gesagt: Scheiß auf Spiritualität. Ich bin in dieses erste Teacher Training mit gebrochenem Herzen geflüchtet.

Oh. Klingt wie der Beginn einer TV-Romanze am Sonntagabend.
Sinah: (Lacht). Irgendwie schon. Ich habe acht Monate in New York gelebt und mit Tanzmedizinern gearbeitet. Dann kam ich zurück nach München – nicht, um als Tänzerin Erfolg zu haben, sondern als Lehrerin. Weil ich schon immer eher jemand war, der gerne reist und der gerne Geld verdient – so blöd das klingt. In dieser Zeit in München habe ich mich ganz, ganz, ganz arg verliebt. Doch der Mann hat mir ganz schlimm das Herz gebrochen. Das war sehr intensiv. Und dann bin ich eben im August 2015 geflüchtet, ich wollte weit weg von München und einfach als durchtrainierte Brezn’ wiederkommen. Das kam dann sehr anders…

…raus mit der Sprache!
Sinah: Ich habe irgendein Teacher Training gebucht. Ich wollte Sonne, ich wollte Strand. Und nicht zu teuer sollte es sein. Alles andere war mir Wurscht. Ich hatte keine Ahnung, was ich gebucht hatte. Es hieß Vinyasa-irgendwas. Vinyasa Krama. Ich habe Karma gelesen und dachte: Passt. Und dann bin ich da einfach hingefahren. Das waren lebensverändernde vier Wochen.

Warum?
Sinah: Weil ich mir zuvor immer so Regeln auferlegt. Ich sagte mir immer: Sinah feiert nicht, Sinah macht nicht mit anderen Jungs rum, Sinah ist nicht spirituell, Sinah ist physisch. Und dann bin ich nach Bali gekommen und hatte das Teacher Training, das ich nicht wollte, weil es wahnsinnig spirituell war. Was ich gar nicht wollte – aber was ich gebraucht hab. Die haben mich auf den Boden der Tatsachen geholt. Zuerst habe ich überlegt, ob ich’s abbreche. Aber ich dachte mir: Jetzt bist schon da. Der Flug war ja bezahlt. Jetzt machst es einfach. Und plötzlich war ich Sinah-super-spirituell und Party-Sinah zugleich. Ich bin so aufgebrochen von diesen selbstauferlegten Regeln, aus denen ich nicht rausgekommen bin.

Da hast du dir selbst geholfen?
Sinah: Nicht ganz. Mein Philosophie-Lehrer auf Bali war zudem Psychologe. Ich hatte da eine Therapie-Stunde mit ihm. Das hat viel bewirkt. Und dann war da noch eine Reiki-Session…

Sinah und ich.

Sinah und ich.

Klingt nach dem Punkt in der TV-Romanze, an dem der Hauptdarstellerin die Augen geöffnet werden und sie endlich zu ihrer Liebe – in deinem Fall Yoga – steht…
Sinah: Absolut. Die Stunde war am Tag der Abschlusszeremonie. Am Abend zuvor habe ich mit den anderen gefeiert, viel getrunken. Wir sind betrunken, ohne Helm mit dem Motorrad gefahren und gegen einen Baum geprallt. Das Motorrad lag im Graben, aber uns ist zum Glück nichts passiert. Nur eine große Brandnarbe am Bein ist geblieben. Es war richtig krass. Ich war am anderen Ende von Bali und musste in der Früh ein Taxi bekommen, um zur Zeremonie zu fahren. Ich hatte eine Stunde geschlafen, war immer noch betrunken und stand da im Yogaraum. Und das war alles, was ich eigentlich nicht bin: kopflos, Schmarrn gebaut, betrunken, Unfall, losgelöst. Und dann dieses super spirituelle und die Reiki-Session…und die war aber so geil! Weil ich einfach nur ich war. Das Feedback von Randy beim Reiki war: Surrender – let go. Das habe ich seitdem tief in mir. Ich halte immer noch gern fest und behalte die Kontrolle – doch das wird immer besser. Das ist ein Prozess seit drei Jahren. Aber weil ich immer wieder im Yoga erinnert werde, wird es besser und irgendwie komme ich mir immer näher. Die wundervoller Reise, die nie endet.

Dann kannst du dem Herzensbrecher sozusagen danken, dass er dir zu deinem Glück verholfen hat.
Sinah: Ja, irgendwie war der Mann der Grund, warum ich zum Yoga gefunden hab. Irgendwie bin ich über blöde Umstände bisher immer zu etwas Neuem gekommen. Zum Beispiel habe ich mir in New York, als ich am Höhepunkt meiner Tanzkarriere angekommen war, das Außenband angerissen. Ich war zwar nur sechs Wochen raus, aber wenn du in New York nur acht Monate hast, sind sechs Wochen ganz schön lange. Ich war einfach komplett aufgeschmissen. Und dann habe ich eben angefangen mit Armbalances und Kopfstand.

Von blöden Umständen kannst du ja ein Lied singen. Zeigt dir der Bandscheibenvorfall auch neue Seiten auf?
Sinah: Ja. Ich bring viel mehr Softness in meine Praxis. Ein bisschen mehr Rückzug, andere Sachen. Ich bin jetzt offen für anderes. Ich bin wahnsinnig dankbar. Diese Tiefpunkte haben danach immer irgendwas katalysiert, von dem ich danach genau weiß, warum es passiert ist. Das ist so besonders. Und Yoga ist da, glaube ich, so ein Mittel, um das zu sehen. Und nicht mehr so tief zu fallen, sondern ziemlich schnell zu erkennen: Ja, das ist ein Prozess. Das ist was, das bringt mir was bei.

Was ist Yoga denn für dich?
Sinah: Ein lebensbejahender Lebensstil. Yoga ist so doktrinfrei. Ich kann Jude, Moslem oder Katholik sein und trotzdem Yoga. Yoga ist Jeder.

Und was bedeutet es, yogisch zu leben?
Sinah: Naja, nehmen wir mal den Nummer-1-Klassiker der Yamas: Ahimsa. Keine Gewalt. Ich versuche, mich immer wieder daran zu halten, mich darin zu üben. Auch in meinen Worten. Ja, ich bin Münchnerin, ich bin Bayerin, ich bin a Grantler. Ich ärgere mich gerne viel. Aber ich habe irgendwann gesagt: Ich will das nicht mehr.

Sinah Diepold. (Foto: Susanne Schramke)

Lebst du dementsprechend vegetarisch oder vegan?
Sinah: Ich lebe bewusst und esse sehr wenig Fleisch und Milchprodukte, um der Umwelt etwas Gutes zu tun. Ich bin der Meinung, dass es immer der Mittelweg ist, da reicht ein-, zweimal im Monat Fleisch und Fisch. Wenn ich meine Periode und Eisenmangel habe, oder wenn es mir allgemein schlecht geht und ich ein Stück Fleisch essen will, dann wäre es Gewalt an meinem Körper, wenn ich ihm das verbieten würde. Der aktuelle Überkonsum zerstört jedoch unsere Mutter Erde, man muss nicht dauernd Fleisch essen. Der Weg der Mitte ist der Richtige. Ich möchte überlegt sein, achtsam sein und wach sein. Und das hat mit Yoga beigebracht.

Kam dieses Bewusstsein mit Bali, oder war es ein schleichender Prozess?
Sinah: Für mich war es ganz krass auf Bali.

Hat das auch deinen Yogaunterricht beeinflusst?
Sinah: Ja, weil ich immer die Taffe war. Ich musste immer powern und schwitzen. Und jetzt darf es auch mal soft sein und einfach Spaß machen. Von „Yoga ist eine Stretching-Klasse“ und Turnstunde, wurde es zum: Wohlfühlen und auf sich Acht geben.

Das lebst du ja gerade besonders gut vor. In ein paar Wochen darfst du dann ja auch wieder Sport machen. Aber wie sieht’s mit dem gebrochenen Herz aus: Ist das wieder heil?
Sinah: Total. In dem Jahr nach der Lehrerausbildung war ich alleine. Da habe ich meinen aktuellen Freund kennengelernt, den ich über alles liebe und der hoffentlich der Mann fürs Leben wird.

Yoga-Liebe, große Liebe und ganz nebenbei zu dir selbst gefunden: Klingt nach einem wundervollen Happy-End für die TV-Romanze. Eines würde mich aber noch interessieren: Den Unterschied zwischen Krama und Karma hast du inzwischen auch herausgefunden?
Sinah: Ja. Dann schon. Und noch viel mehr.

 

Krama oder Karma?

Karma = dein persönliches Handeln und gleichzeitig auch das Ergebnis deiner Handlung. Alles was wir tun (atmen, reden, sehen, hören, essen, denken) sind Karmas.

Krama = das Vorangehen, das Schreiten. Sozusagen dein Weg zur Befreiung.

(Diese Erklärungen sind stark vereinfacht. Ich könnte ein Buch zu jedem der Begriffe schreiben – hier ist aber nur Platz für wenige Sätze)

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  1. Yoga Events München und Stundenplan Juni | - […] mal wieder eine Kurse in München zu geben. Aber das wird ja bald alles anders… Schon das Interview auf…

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