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Yoga in Indien: Mein Gehirn ist eine Solarlampe

Gepostet am Nov 25, 2017 von in Allgemein | Keine Kommentare

Am Ende eines langen Urlaubs wird einem bewusstes Leben bewusst. Ich meine, man macht nicht nur, man zelebriert! Das letzte Mal ins Bett klettern, ohne eine zu große Schleuse ins Mückennetz zu reißen. Die letzten drei Male Zähne putzen. Das letzte Mal zum Geldautomat laufen. Das letzte Mal die wahnsinnig aufdringliche Dame vom Shop nebenan abwimmeln.

 Ferngesteuert morgens um 6

Und dann wird einem immer bewusst, wie blöd Abschiede doch sind – nicht nur von der aufdringlichen und dennoch liebenswerten Dame, der Urlaubszahnbürste, dem Shampoo, das noch halb voll ist und der Sonnencreme, die ich genau einmal benutzt habe, sondern auch von den Menschen, die ich hier lieb gewonnen habe und dem Tagesablauf, der mich ferngesteuert morgens um 6 Uhr zur Shala laufen ließ.

Wo war mein Hirn?

Vier Wochen sind verdammt noch mal schon wieder vorüber und ich frage mich: Wo war mein Hirn in all der Zeit? Es fühlt sich so an, als wäre ich komatös durch Indien yogiert. Wäre da nicht das Zertifikat würde ich glauben, nie hier gewesen zu sein. Okay – dann wären da noch all die neuen synaptischen Verbindung, die so etwas wie eine Yogalehrerin aus mir gemacht haben. Ich meine, ich kam als kleines ver(w)irrtes, flackerndes Licht am Yogahimmel und gehe halbwegs angeknipst und vollgesaugt mit Energie, wie die Solarlampe im stündlichen indischen Stromausfall. Zwar habe ich die Erleuchtung haarscharf verfehlt und ganz generell bin ich nach wie vor noch irgendwie verwirrt, aber ich fühle mich verdammt gut. Diese Yogalehrerausbildung hat mir so viel gebracht. Verständnis, mehr Inspiration und neue Freunde.

 

Mir fehlen die Worte

Es war richtig anstrengend und so wirklich Zeit zum Durchschnaufen hatte ich auch nicht, aber irgendetwas hat sich für mich jetzt geändert. Und jetzt gerade – total übermüdet nach einem 20-Stunden-Transfer nach Hause – fällt mir auf, dass ich das alles gar nicht in Worte fassen kann. Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal sage, aber: Mir fehlen die Worte     . Und     passiert nicht      . Eigentlich     . Blöd   wenn    Blog    .

(Kurz mal gegens Hirn geklopft – Solarlampe ist wieder an.)

(Wer Details zur Yogalehrerausbildung haben möchte – weil er selbst eine machen will, oder einfach nur unverschämt neugierig ist – der hinterlässt mir hier gerne einen Kommentar. Ich melde mich dann gerne.)

Meditieren und so

Für alle anderen: Indien war mir mal wieder ein Fest. Kein Land hat so viele streunenden Kühe, Hunde und Menschen auf der Suche nach sich selbst wie Indien. Nirgendwo sonst ist Barfußlaufen nicht nur ein Hippieding und sind eingesudelte Fettfinger, an denen noch Essensreste hängen, erwünscht. Ich habe jede Sekunde hier geliebt. Auch die, in denen ich schweißtriefend meinem eigenen Salz-See aus Körpersaft betrachtete und hoffte, dass meine Yogamatte sich nicht gleich unter meinen Fingern auflöst. In diesen Momenten stand ich meist Kopfüber auf meinen Händen und habe versucht, Balance zu halten, um meinen Nebenmann mit meinen Füßen und ihrer neuen Hornhaut nicht zu erschlagen.

 

Hart, erbarmungslos und sauguat

Sorry für all das. Aber so ist Yoga nun eben. Hart, Erbarmungslos und doch so herzlich. Ja, mal wieder habe ich gemerkt, was mein Körper mag und was nicht. Er mag kopfüber stehen und von meinen eigenen Händen getragen werden. Und er mag auch mal sitzen für ‘ne ganz schön lange Zeit. In diesen stummen Stunden habe ich mich Yoga so nahe gefühlt wie nie. Ich meine, kommt schon, meditieren ist ja wohl so Yoga, oder? Und es macht tatsächlich Spaß. Einmal sogar so sehr, dass ich mir dabei fast in die viel zu enge Yogahose gemacht hätte.

Lachkrampf und einen Stein als Sitzkissen

Irgendwann in Woche 2. Meine Mitbewohnerin Kat und ich – hundemüde, sie am Handy, ich im Wachkoma – schlurfen schweigend den “Berg” (Fußmarsch von gefühlten 60 Minuten bei einer Steigung von 40 Prozent – in Wahrheit waren es 5 Minuten und vielleicht 5 Prozent) hinauf, rollen die Yogamatte aus und nehmen neben 22 anderen auf weichen und dennoch super unbequemen Sitzkissen Platz.

Om in vielen Tonlagen

Ich lag irgendwie in Gedanken noch so bequem im Bett, dass mich das abrupte Om unseres Lehrers und der 22 anderen Menschen, die krampfhaft versuchten, die Tonlage zu treffen, fast rückwärts vom Kissen fallen ließen. Kat ging’s offenbar genauso. Wie zwei kleine Teenies auf Klassenfahrt konnten wir einfach nicht aufhören, zu lachen. Wir beiden versuchten krampfhaft, das zu unterdrücken. Die darauffolgenden Stunde war damit natürlich irgendwie hinfällig. Dennoch blieben wir beide geschlossenen Auges sitzen.  Und in diesem Moment dachte ich mir: Was würden wohl meine Liebsten denken, wenn sie uns und das Om sehen und hören könnten? Ich hätte sie in diesem Moment gerne alle hier gehabt. Sitzend im Kreis auf diesen miefenden Sitzkissen, die nach 15 Minuten steinhart werden.

Why so serious? Ein Test für euch!

Ich würde ihnen gerne zeigen, was Yoga ist, was Meditation ist und warum das nicht immer purer Ernst sein muss. Ich würde ihnen gerne zeigen, wie gut es tut, seine Gedanken auch mal beiseite zu stellen und – so banal das auch klingt – einfach mal seinem Atem zuzuhören. Okay, ihr treuen wampediboo-Leser, lasst uns einen Test machen – hier und jetzt. Für alle, die bis hierher überhaupt gelesen haben: Setzt euch aufrecht hin. Und das meine ich jetzt ernst. Nicht nur Augenbrauen hochziehen und runterscrollen, sondern gerade hinsetzen, bitte :)! Nachdem ihr das gelesen habt, schließt die Augen. Und achtet dann einfach mal auf eure Atmung. Ein und aus. Macht das mal so eine Minute. Es tut gut. Ich verspreche es.
*Ring, ring* Bitte wieder aufwachen…

Tschüss, Skepsis

Irgendwann werden aus einer dann mal drei Minuten und dann mal zehn. Und das ist schon genug. Zehn Minuten ohne Handy, TV und Menschen, die irgendwas von einem wollen. Was das Alles angeht, musste ich echt meine eigene Skepsis überwinden. Ich war recht schnell mit dem Augenbrauenheben und vorverurteilen. Ich dachte, Om ist Religion und Meditation ist ihr Gottesdienst, ich dachte, Bewusstsein ist was für Midlifecris-ler auf Bali. Yoga in Indien hat mir mal wieder gezeigt, dass es um Balance geht – und vor allem darum, eingefahrene Gedankenmuster durchbrechen. Jetzt gilt es, sich das alles zu bewahren – raus aus der Blase aus Yogis, Sonnenschein und Kokosnüssen und rein in den deutschen Alltag.

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