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Yoga in Indien Vol. II: Läuft! Auch der Schweiß.

Gepostet am Okt 29, 2017 von in Allgemein | 3 Kommentare

Es tropft. Und tropft. Und tropft. Ich frage mich, woher all der Sabber kommt. Dann spüre ich eine Schweißperle direkt in mein Auge fließen. Ekelhaft, denke ich. Und leider kann ich euch das nicht ersparen. Sorry, aber ich muss das mal loswerden – wie mein Körper den Schweiß.

Es ist der erste Tag der 300 Stunden-Yogalehrerausbildung, die ersten zwei Yogastunden und alles was

Blick aus dem Yogashala

ich sehe ist – nichts. Denn da ist immer noch diese Schweißperle, die mein Augenlicht trübt. Hilft nichts: kein Handtuch in Sicht, kein Schatten und schon gar keine Pause. Ich war so dumm und habe vergessen, dass die Sonne hier am Morgen ja irgendwann auch aufgeht – genau neben mir… Seitdem weiß ich also, wie sich Hot Yoga anfühlt. Die Yogastunde ging direkt nach der Eröffnungszeremonie los. Wie schon in Rishikesh wird etwas Neues immer mit einer traditionellen “Feier” eröffnet, in der sich quasi eingestimmt auf das wird, was kommt. Und eben danach kam für meine Begriffe schon recht viel…

Es flowt und flutscht

Ich meine, ich halte eigentlich schon recht viel aus, würde auch behaupten, dass ich recht fit bin. Aber 89 % Luftfeuchtigkeit und 30 Grad und Jetlag und dann zwei Stunden Vinyasa-Yoga auf Englisch sind halt doch recht anstrengend. Nur um das kurz den Yoga-Laien zu erklären: Vinyasa ist wie Fitness mit Choreografie. Man macht also nicht nur viele verschiedene Yoga-Posen, sondern alle aneinandergereiht, dass sie ineinander übergehen – dabei spricht man vom “Flow”. Die Bewegungen sind also sehr weich und fließend. Fließend. Da wären wir wieder beim Stichwort.

Der Wasserhahn ist immer noch aufgedreht

Es tropft also immer noch. Im Leben hätte ich nicht für möglich gehalten, dass ich so schwitzen kann. Meine Matte sollte ich danach wohl besser auswringen, denke ich und atme diesen Gedanken auch schon wieder aus, als Mr. Ich-will-euch-alle-kotzen-sehen alias Yogalehrer zur nächsten Asana übergeht.

Frühstück

In Savasana (die Endentspannung, wenn alle auf dem Boden liegen) gehe ich die nächsten vier Wochen durch. Kurz wird mir übel, dann versuche ich, einen klaren Gedanken zu fassen (in Savasana sollte man die Gedanken eigentlich ziehen lassen). Ich denke ans Frühstück und freue mich. Kurz habe ich die Anstrengung und all den Schweiß vergessen. Ein supergutes Gefühl steigt auf. Kennt ihr das? Total ausgesaugt wie die Capri-Sonne eines gierigen Kindes – aber überglücklich? Das Gefühl, sich gerade richtig ins Zeug gelegt zu haben? Megagut.

Diese vier Wochen werden intensiv. Das spüre ich. Nicht nur wegen der körperlichen Anstrengung, sondern auch wegen dieser gemischten Gefühle. Das merke ich zehn Minuten später auch beim Frühstück…

Die “Yoga Mums” und das kleine Küken

Vom Yogashala (Yogaraum), der malerisch inmitten von Palmen mit Blick zum Meer, sind es nur ein paar Meter zu dem Ort, den ich schon beim Aufstehen um 5.50 Uhr herbei gesehnt habe: Umgeben von vielen kleinen Bungalows liegt der Essensbereich. Dort sitze ich neben zwei Amerikanerinnen, die mit mir im Kurs sind. Zu diesem Zeitpunkt kenne ich ihre Namen noch nicht – und sie wissen vermutlich nicht mal, dass ich eben im Raum neben ihnen Yoga gemacht habe. Jedenfalls höre ich sie reden: Die eine erzählt, sie ist seit 14 Jahren  Yogalehrerin, die andere ist es auch und zählt noch dazu all ihre Ausbildungen auf Bali, in Costa Rica, Spanien und Indien auf. Ich fühle mich wie ein kleines Küken. Nehme einen großen Schluck meines Chais und hoffe, in selbigem zu ertrinken. Es ist seltsam, mit 24 andern Yogis die Ausbildung zu machen, die alle schon viel mehr Erfahrung haben – denke ich zumindest zu diesem Zeitpunkt.

Ich stelle mich meiner Aufgabe

100 Kilo Früchte, eine Riesenschale Porridge und zwei Tees später im Yogashala beim Kennenlernen merke ich: Etwa 80 Prozent der Leute sind bereits praktizierende Yogalehrer, der Rest ist eben auch aus demselben Grund da wie ich: Die eigene Praxis zu verbessern, mehr Wissen zu gewinnen, um ein guter Lehrer zu werden. Umso besser fühlt sich daher Tag 2 an.

Das Aufstehen fällt mir erstaunlich leicht. Was vielleicht auch an diesen gefühlt 50 Grad Celsius liegen

Handstand at Agenda Beach

mag – ja, auch früh morgens um 6 Uhr ist es hier sauwarm… Eine Stunde Meditation steht vor mir. Ich habe ein bisschen Angst, weil das eben die Aufgabe ist, die ich unbedingt meistern möchte – den Geist ziehen lassen, Sitzen können, ruhig werden. Ist alles nicht unbedingt meine Stärke… Doch jede Minute dieser Stunde tut mir gut. Zwar kann Sitzen ziemlich anstrengend sein, aber ich genieße die Stille, das

“Einfach mal keinen Input haben”. Auch der Rest des Tages “flowt” nur so dahin. Ich bin angekommen hier in Goa. Das merke ich vor allem am späten Nachmittag: Es gilt, ein paar “Mitschülern” eine kurze Stunde zu unterrichten. Ich liebe es. Und meistere das, trotz der Sprachbarriere ganz gut, denke ich. Es macht unheimlich viel Spaß. Ich vermisse zwar meine Lieben zuhause, aber umso mehr freue ich mich, sie irgendwann mit all dem Gelernten auf die Matte zu bringen – bis der Schweiß nur so rinnt.

 

 

 

3 Kommentare

  1. Hallo Katha, der Handstand schaut gut aus!!!
    Ich freue mich, dass Du gut angekommen bist.
    Leider kann ich die Hitze/Wärme nicht spüren, bei uns stürmt es und hat den ganzen Tag geregnet – ihhhh ungemütlich.
    Genieße die Zeit und paß gut auf dich auf. LG von Jutta

  2. Hallo Katha
    Finde Deinen Bericht und Dein Engagement Yoga erlernen bzw. Zu verbessern bemerkenswert
    Weiter so 👍

    • Robert, danke! Schön, dass du wampediboo treu bist 🙂 Bald gibt’s einen Beitrag zum Thema “Yoga für Männer” 🙂

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