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Yoga in Indien – Teil 2: Yoga riecht nach Marihuana

Gepostet am Feb 13, 2017 von in Reise, Yoga | 2 Kommentare

Gefühlte 30 Minuten stehe ich da auf einem Bein – Arme nach oben gestreckt. Schmerz im Knöchel, Schmerz im Oberschenkel und in den Händen kein Blut mehr. Und dann dieser Geruch. Süßlich, erdig. Der Lehrer sagt „Concentrate“ und ich denke: „Fu**. Hier riecht’s nach Gras.“ So wie irgendwie überall im kleinen Yoga-Städtchen Rishikesh. Ein Windstoß weht durchs geöffnete Fenster in mein Gesicht. Und mit den wehenden Gardinen, bewegt sich auch das, was sich Baum (Vrksasana) nennt. Von wegen Konzentration. Bein absetzen. Und weiter üben.

Vong Gefühl her wie ein Yoga-Block

Ich muss zugeben, ich dachte, dass ich gar nicht so schlecht in dem bin, von dem ich dachte, dass es Yoga ist. Aber schon nach den ersten Tagen der Yoga-Lehrer-Ausbildung in Indien fühl ich mich klein und unbeweglich, wie einer der Yoga-Blöcke im Regal hinter mir.
Zuerst die Feuer-Zeremonie am ersten Abend: So wird ein neues Kapitel im Leben begrüßt – viel Mantra singen, viel nach vorn beugen, viele Blumen und ein kleines Feuer. Schöne Tradition und ein guter Start in die vier Wochen in neuer Umgebung mit fremden Leuten. Elf Menschen und Lehrer Nummer Eins sitzen in einem Raum und lernen sich also kennen – alle haben sich noch nie zuvor gesehen, alle verstehen sich auf Anhieb – so zwischenmenschlich, sprachlich ist das manchmal so ‘ne Sache… Dennoch: Wir sind alle aus demselben Grund hier und haben – bis auf die Lehrer – fast die selben Gedanken: Yoga ist irgendwie kompliziert. Denn Stunde eins mit Parveen Nair (einer, vor dem sich die anderen Lehrer verbeugen…) öffnet so ziemlich jedem die Augen. Allein bei der vermeintlich einfachsten Übung – dem Stehen (Tadasana) – haben wir noch so einiges zu lernen: Füße auf den Boden pressen, Knie aktivieren, Oberschenkel nach innen, Becken gerade, Schultern zurück, Kinn parallel, Finger strecken – und das morgens um 7 Uhr ohne Frühstück (gibt’s erst um 9) im nicht gerade wohl temperierten Yoga-Raum. So muss sich wohl ein Boot-Camp für Models anfühlen…

Der fiese, fiese Oberschenkel

Die ersten zwei Stunden Yoga in Indien, sind lehrreich – wie eigentlich jeder Tag. Wir fangen wirklich ganz von vorn an und jede Übung wird genau erklärt und gefühlt. Dann Frühstück, dann Theorie (Alignments). Es geht noch einmal um die Übungen vom Morgen, worauf man dabei achten und wer sie besser nicht machen sollte. Und spätestens jetzt ist allen klar: 1. Das werden harte vier Wochen. 2. Irgendwo hier in der Nähe muss eine Cannabis-Plantage sein. 3. Sitzen, Handys und Bürojobs sind doof für Nacken und hinteren Oberschenkel-Muskel.
Dass Letzterer recht fies sein kann, merke ich in der darauffolgenden Stunde: Anatomie. So ziemlich jeder verflucht in dieser Stunde seinen Bürojob und seine eigene Faulheit, nicht öfter mal gedehnt zu haben.

Nach dem Mittagessen und einer Pause geht’s weiter mit Vinyasa Yoga mit Tara Datt. Aber anstatt gleich im Flow ein bisschen Sport zu treiben, geht es um Atemtechniken – die habe ich bei meinem Yoga zu Hause ehrlich gesagt recht gut zu vernachlässigen gelernt. Alles auf Anfang eben.

Während der Lehrer redet, scheint mir die Sonne ins Gesicht. Schöner Tag heute. Drei Affen rennen auf dem Balkon umher, am Yoga-Raum vorbei. Und, ui, ein kleines Affen-Baby. Süß. Moment – wie war das? Atmen? Das Affenbaby hilft mir dabei leider auch nicht. Denn anstatt mich über Indiens Tierwelt zu freuen, sollten meine Gedanken ganz beim Atmen sein. Augen schließen, Beine kreuzen, Rücken gerade – in den Bauch einatmen und ausatmen. Wenn der Rücken nicht so ziepen würde…

Die abendliche Verwirrung 

Und zum Abschluss des Tages dann die komplette Verwirrung: Yoga-Philosophie mit Siddhartha Veer. Es geht um den Ursprung des Yogas, um Sage Patanjali, um Swami Veda, um Samadhi und um Sadhana. Ja – what the hell?! Aber es stellt sich heraus, dass das nur ein Überblick dessen ist, was wir in vier Wochen lernen werden. Denn auch in dieser Stunde heißt es: Alles auf Anfang.
Die erste Woche verging wie im Flug. So langsam glaube ich, zu begreifen, was Yoga ist. Unsere Lehrer legen sehr viel wert auf die Sanskrit-Beschreibungen der einzelnen Übungen (Asanas): Virabhandrasana, Ardha Chandrasana  Parivrtta Trikonasana – um nur drei von über 50 zu nennen, die nur so auf uns einprasseln.

Unterricht auf Englisch, Asanas in Sanskrit und irgendwie soll das alles rein in mein deutsches Hirn… bisher kann ich sagen: Läuft. Wenn auch mit Muskelkater.

Ein bisschen Allgäu

Alles wird richtig genau und ausführlich erklärt. Rishikesh fühlt sich gut an. Yoga-Schulen oder -Matten überall, Bücher über alles nur denkbar yogische und Menschen, die fast alle aus demselben Grund hier sind. Ich bin angekommen im Land der heiligen Kühe – die mir ganz nebenbei Heimatgefühl vermitteln…

2 Kommentare

  1. Finde ich echt gut weiter so
    Denke so finde ich auch meine Ananas 👌

    • 🙂 Ananas zum Nachtisch – Asanas zum Nachtisch: Beides perfekt. Aber erst 2 Stunden nach dem Essen 🙂

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