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Yoga in Indien – Teil 4: Was ist Yoga eigentlich?

Gepostet am Feb 25, 2017 von in Allgemein, Yoga | Keine Kommentare

Was ist Yoga eigentlich genau? Eine Religion? Fitness? Rumsitzen? Irgend so ein spirituelles Dings-Da? Und überhaupt: Jo-was?! Um ehrlich zu sein: Noch vor zwei Jahren dachte ich dabei auch nur an Meditation, rumsitzen und halbnackte, verknotete Gurus mit Farbe auf der Stirn. Nichts also für einen recht traditionellen, praktischen und realistischen Menschen, der in einem 1200-Seelen-Dorf in Bayern aufgewachsen ist, in dem man sonntags in die Kirche geht, Männer danach Bier trinken und Frauen währenddessen den Sonntagsbraten zubereiten. Und jetzt? Jetzt sehe sich das ein wenig anders – denn es geht weder um das Anbeten fremder Götter, noch ums Rumsitzen, noch um stures Regeln befolgen.

Basis-Wissen über Yoga

Hier die light-Version: Yoga heißt wörtlich übersetzt „Union” und gleichermaßen auch „Trennung“. Bedeutet: Die Verbindung von Körper, Geist und Atem ist das Ziel. Zugleich aber auch das Unterscheiden/Trennen, was gut und schlecht ist und das Loslassen der Gedanken. Das oberste Ziel bei dem Ganzen ist ein Zustand, der sich Samadhi nennt: Muss sich wohl so anfühlen, wie für ein Baby der
letzte Monat im Bauch der Mutter – absolute Ruhe, keine störenden Gedanken, keine störenden Umwelteinflüsse. Und um dahin zu kommen (nur die disziplinierten Yogis schaffen das), gibt es einen Weg mit vielen Bausteinen. Wie der aussehen kann, hat Sage Patanjali beschrieben. Er ist sozusagen der God-father of Yoga. Er hat eine Art Fibel verfasst, die jedem Yoga-Praktizierenden irgendwann auf seinem Weg zur Brezel ein Begriff sein wird: die Yoga Sutras. Darin wird Yoga wie folgt beschrieben: “Yoga Chitta Vritti Nirodah” – Yoga ist die Kontrolle über die Wellen deiner Gedanken. (Recht frei übersetzt).  Patanjali schreibt, dass jeder, der den achtgliedrigen Pfad des Ashtanga Yogas befolgt,
Samadhi erreichen kann. Dieser sieht wie folgt aus:

  1. Verhalten gegenüber der Umwelt (Yama): Keine Gewalt, nicht stehlen, Ehrlichkeit, kein Neid, sich bewusst werden
  2. Selbstbetrachtung (Niyama): Reinheit des Geistes, Zufriedenheit, Not (um daraus zu lernen), Selbststudium und Hingabe
  3. Körperübungen (Asana): Wenn der Körper vorbereitet ist, folgt der Geist. Heißt: herabschauender Hund, Baum oder Lotussitz sollten irgendwann so gut beherrscht werden, dass stundenlanges Sitzen in Meditation ein Kinderspiel ist
  4. Kontrolle über den Atem (Pranayama): Richtiges, bewusstes Ein- und Ausatmen, um das Nervensystem zu beruhigen und Balance im Geist zu schaffen
  5. Rückzug der Sinne (Pratyahara): Es gibt da das Beispiel eines Mönchs, dem eine Arm-OP bevorstand. Er bestand darauf, keine Narkose zu bekommen. Allein durchs Meditieren und durch Pratyahara konnte er bei vollem Bewusstsein operiert werden, ohne etwas zu spüren
  6. Konzentration (Dharana): Fokus auf seinen Geist
  7. Meditation (Dhyana): Die vielen Gedanken ziehen lassen, beziehungsweise die einzelnen Gedanken nicht bewerten und sich nicht davon beeinflussen lassen
  8. Ziel (Samadhi): Nur ein Gedanke herrscht im Kopf vor und der gilt dem Geist

Das, was gemeinhin als Yoga bezeichnet wird, ist also nur einer der vielen, vielen Bausteine. Wir sprechen dabei von Fitness, vom Dehnen und von Haltungen mit seltsamen Tiernamen. Und das ist auch völlig in Ordnung. Jedoch bin ich in Indien irgendwie zu der Erkenntnis gekommen, dass diese Übungen auch gerne im Kopf passieren dürfen. Wenn man also so im Fitnessstudio oder im vhs-Kurs sitzt, kann man sich schon mal fragen: Warum sagt die Frau da vorn “Und jetzt in die Kobra”? Und warum liege ich dann so verkrampft am Boden?

So. So viel zum kurzen Überblick… Um den ausführlichen Einblick zu geben, erfordert es ein paar Buchstaben mehr.

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